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Thinkpad, Thinkpad, Thinkpad! So lautete das Mantra. Unkaputtbar, zuverlässig und wartbar. Das waren Thinkpads. Seit einigen Jahren sieht’s auch dort nicht viel besser aus als bei anderen Anbietern. Was bleibt? Der populäre rote Trackpoint jedenfalls nicht.1 Vor drei Jahren wechselte ich deshalb zum HP Elitebook. Es ist ironischerweise dessen traumhafte Tastatur, die das Elitebook für mich nun zum Albtraum macht. Ein Albtraum, den ich in der Hoffnung teile, es möge anderen den Ärger ersparen.
Warum überhaupt HP Elitebook?
Wer 2023 auf der Suche nach einem bewährten2 Produkt war, das über ein 16:10 IPS Panel, wechselbaren SO-DIMM und gute Eingabegeräte verfügt, der kam kaum um das EliteBook G9 oder G10 umher. Ich entschied mich im August 2023 für das HP Elitebook 845 G10. Das Gerät erhielt bei Notebookcheck eine herausragende Bewertung, es sei “der fast perfekte Business-Laptop”.
Tragödie der Tastaturen
Die Elitebook-Tastaturen sind großartig. Sie wurden zurecht bei Notebookcheck in den Himmel gelobt. Andererseits bringt mir das wenig, wenn sie spätestens nach 12 Monaten auseinanderfallen. Eine Tragödie!
Halbjährlich grüßt der Garantiefall
Bei meinem Gerät war es bereits nach gut 10 Monaten soweit. *Klack* und die R-Taste klemmte an der unteren Seite. Einige Wochen später sprang sie dann einseitig heraus. Einfach reindrücken! Naheliegend, aber leider springt die Taste wieder. Nun mag man glauben, dir Schuld sei bei Staub oder einem sonstigem Fremdkörper zu suchen. Leider ist dem nicht so! Es hilft nichts, die Taste fliegt früher oder später ganz heraus.
Der Retter in der Not war anfänglich der von mir bei Kauf gebuchte Vor-Ort-Service: Tatsächlich genügte ein Anruf bei HP und wenige Tage später war ein freundlicher Service-Techniker eines örtlichen Dienstleisters vor Ort. Die Tastatur wurde getauscht. Im Juni 2025 war es dann wieder so weit. Die R-Taste begrüßte mich mit einem Hechtsprung aus der Tastatur. Wieder rief ich HP an, wieder kam derselbe Dienstleister und staunte nicht schlecht. Tastaturwechsel.
Im Januar 2026, also nur ein halbes Jahr später, wiederholt sich das Drama. Oder doch nicht? Diesmal war die bislang unverdächtige pos1-Taste, die offenbar einen Wackelkontakt entwickelt hatte. Der Kontakt mit HP war katastrophal. Es hat mehrere Anrufe und eine schriftliche Aufforderung gebraucht, ehe wieder der Service-Partner die gesamte Tastatur tauschte. Keine 6 Monate später klemmte die R-Taste, kurz gefolgt von der E-Taste. Nun sind wir im Sommer 2026 und haben wieder eine defekte Tastatur mit dem inzwischen gut bekannten Schadensbild.
669,00€ Kostenvoranschlag
Natürlich habe ich erneut HP angerufen. Was soll’s, dann kommt halt die vierte Tastatur, wenn es nicht anders geht. Die Mitarbeiterin nimmt den Fall auf. Einige Tage später kommt die Überraschung per Rückruf: Es handele sich um einen “Kundendefekt” (huh?). Der exakt gleiche Defekt wie bisher könne nur auf meine Kosten repariert werden. Kostenvoranschlag: 669,00 €. Alternativ könne ich auch die Tastatur als Einzelteil kaufen. Ich verzichte auf die 6-Monatsfliege.
HP und die Tastaturen. Ein Erklärungsversuch
Nun mag sich der Leser Fragen: Was macht der mit seiner Tastatur? Das frage ich mich auch. Nach 20 Jahren mit Eingabegeräten aller Art ist mir so ein Defekt noch nicht untergekommen. Ob billigstes HP Pavilion Notebook, glorreiches Thinkpad X230 oder die klassische Logitech Billigtastatur, noch nie hatte ich eine so beharrlich und gleichförmig ausfallende Tastatur. Das Traurigste: Das Gerät wird gedockt genutzt, verlässt das Haus quasi nie. Die irren Thinkpad-Szenarien, sei es nun Sturz oder Überfahrenwerden durch Kampfpanzer, sind dem Elitebook erspart geblieben. Naheliegender scheint mir die These: Irgendetwas stimmt bei HP nicht. Denn weder ist das Problem unbekannt noch hätte man es nicht besser angehen können.
Erfahrungsberichte
Zunächst finden sich mehrere identische Berichte zum Schadensbild. Der interessanteste stammt vom Nutzer MarkG2506 aus dem HP-Supportforum. 2024 berichtete dieser, dass sich in seinem Unternehmen bei acht HP-Geräten3 nach Garantieablauf innerhalb kürzester Zeit die E-Taste löste. Mark schreibt:
It does raise a question on how long you can expect a laptop or it’s keyboard to work in general. You pay a certain ammount for a machine that should at least work for a couple of more years […] Also, it’s not one laptop, it’s seven, all with loose ‘E’-keys, and the problems occured right after one and another. That can hardly be a coincidence.
Mark ist mit diesem Problem nicht allein. Denn auch bei Reddit finden sich einige gleichlautende Berichte. So schreibt etwa Thomas über sein Elitebook 865 G9:
same problem here, HP elitebook 865 g9 - same type of key bracket. i couldn’t fix it i tried putting the bracket on first and then the keycap on afterward, didnt work.
Wissen sollte man, dass die Elitebook G9, G10 sehr ähnliche, wenn nicht gar identische Tastaturmechanismen haben. Ähnliches dürfte für die HP ZBooks gelten.
Haken und Plastikpenökel
Warum fallen nun die Tasten heraus und warum gerade die QWERTZ-Region? Dazu drei Überlegungen:
Der Tastenmechanismus besteht aus der nach oben sichtbaren Taste, der weißen Zwischenhalterung und den vier Metallhaken auf der Tastatur. Die Haken greifen in vier winzige Aussparungen der weißen Halterung. Entweder diese Aussparungen fransen mit der Zeit aus (mangelhaftes Material) oder aber es sind die Metallhaken die sich mit der Zeit minimal verbiegen, wodurch die Taste auf einer Seite (oben) herausspringt. Tut sie das, dürfte sich mit der Zeit das Material immer weiter abnutzen.
Bei Reddit wird vermutet, es passiere, wenn man die Tasten nicht mittig anschlägt. Es liege also am Winkel. Das könnte vielleicht die QWERTZ-Region erklären. Ebenfalls naheliegend ist natürlich, dass es sich um eine besonders stark genutzte Region handelt. “R” soll einer der häufigsten Buchstaben sein, was mich durchaus überrascht hat. Wie dem auch sei. Eine an Steve Jobs’ “you’re using it wrong”-Antwort4 erinnernde Erklärung befriedigt wohl keinen Kunden eines >1000€ Businessgeräts.
Schließlich stellt sich allerdings die Frage, warum dann nicht noch mehr Berichte im Internet zu finden sind.
Natürlich sind die Geräte noch relativ neu. Für mich stellte sich kein berichtenswertes Problem, solang HP den Defekt vor Ort beseitigte. Für den Service-Partner dürfte ähnliches gelten: Tastatur tauschen, hastig Bericht ins Smartphone tippen und ab zum nächsten Kunden. Auch in Marks Bericht rührt der Ärger daher, dass der Defekt nach Garantieablauf entstand, er also mit den Geräten im Regen stand. Es mangelt schlicht an der Organisation, die für die Überwachung derartiger Probleme zuständig wäre: den Hersteller.
Es scheint mir nicht völlig undenkbar, dass es sich um einen Grundmangel an einem anderen Geräteteil handelt. Vielleicht ist es ein minimal verbogenes Gehäuse oder Mainboard, welches sodann die Tastaturregion besonders belastet? Das ist für Kunden kaum prüfbar, jedenfalls sind mir keine Berichte dahingehend bekannt. Hier zeigt sich wieder, wie verfehlt HPs Kundenservice ist. Statt mehrfach die Tastatur zu wechseln, hätte man ermitteln können, welche Schwachstelle der Mechanismus hat. Interessant wäre etwa gewesen, ob einem neuen Gerät der gleiche Defekt auftritt.
Learning: HP bringt’s auch nicht
Ich nehme mit: Auch HPs Geschäftskundenserie kann das Versprechen nicht einlösen. Ein wirklich nachhaltig zuverlässiges und wartbares Notebook scheint es nicht mehr zu geben. Denn was bringt gesockelter SO-DIMM, wenn alle 6 Monate meine Tastatur defekt ist?
Eine letzte Alternative, die ich noch nicht ausprobiert habe, könnte allenfalls das Framework Notebook sein. Und bis dahin? Eine Ersatztastatur von eBay habe ich noch im Keller. Also 6 Monate bis zum nächsten R-Incident? Der König ist tot, lang lebe der König! Oder so..
Updates
Für den Fall, dass HP noch etwas tut, gibt es hier Updates.
- 11.08.2026: HP Kundendienst fragt, wo das Problem ist und ob ich eine Kaufrechnung habe (duh?). Man wolle intern abklären, ob das Problem bekannt sei (duh?).
Gleiches Problem? Melden!
Sehr interessiert mich, ob noch andere treue Gefolgsleute des Elitebooks betroffen sind. Schreibt mir gerne!


